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Global Affairs by Elena · Telegram · Beitrag

Die neue Machtfrage heißt Energie. Und Deutschland hat ein Problem.

Donald Trump will große amerikanische Rechenzentren verpflichten, ihren Strom selbst zu erzeugen und überschüssige Energie in die öffentlichen Netze einzuspeisen. Die rechtliche Umsetzung ist noch offen. Doch hinter dieser Ankündigung steht eine bemerkenswerte strategische Überlegung: Der Ausbau künstlicher Intelligenz soll zusätzliche Energieerzeugung mobilisieren, statt die bestehende Versorgung immer stärker zu belasten.

Für Deutschland müsste diese Entwicklung eigentlich ein Weckruf sein.

Unsere Rechenzentren verbrauchten 2025 bereits 21,3 Terawattstunden Strom. Bis 2030 soll sich ihre installierte Anschlussleistung von knapp drei auf über fünf Gigawatt erhöhen. Gleichzeitig kämpft die deutsche Industrie seit Jahren mit hohen Energiepreisen.

Die Probleme sind längst bekannt. Deutschland hat 2023 seine letzten Kernkraftwerke abgeschaltet, die frühere Versorgung mit russischem Pipelinegas ist weitgehend weggefallen. Der Ausbau erneuerbarer Energien schreitet voran, aber die dafür notwendigen Netze, Speicher und jederzeit verfügbaren Kraftwerkskapazitäten müssen mitwachsen.

Wie teuer diese strukturellen Probleme inzwischen sind, zeigt eine Zahl: Allein 2025 kostete das deutsche Netzengpassmanagement rund 3,08 Milliarden Euro. Kraftwerke müssen ihre Einspeisung anpassen, weil Strom nicht immer dort verfügbar gemacht werden kann, wo er benötigt wird.

Die Bundesnetzagentur hält bis 2035 zudem den Zubau von 22,4 bis 35,5 Gigawatt steuerbarer Kraftwerksleistung für erforderlich, abhängig davon, wie sich Energiewende und Stromnachfrage entwickeln.

Während in den USA sogar die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Kernkraftwerke für den wachsenden Strombedarf vorbereitet wird, versucht Deutschland, seine hohen Energiekosten unter anderem durch einen staatlich geförderten Industriestrompreis abzufedern.

Solche Entlastungen können Unternehmen helfen. Sie schaffen allerdings weder zusätzliche Kraftwerksleistung noch neue Stromleitungen.

Hier liegt die geopolitische Dimension.

Die Weltwirtschaft tritt in eine Phase ein, in der künstliche Intelligenz, Rechenleistung und digitale Finanzsysteme immer größere Energiemengen beanspruchen. Wer diese Energie zuverlässig und zu wettbewerbsfähigen Preisen bereitstellen kann, gewinnt einen erheblichen Standortvorteil.

Deutschland konkurriert künftig um dieselben Energieressourcen für seine Chemieindustrie, Metallverarbeitung, Automobilproduktion und die neuen KI-Rechenzentren. Bleiben Strom und gesicherte Leistung teuer, werden zusätzliche Investitionen dort attraktiver, wo Energie günstiger und verlässlicher verfügbar ist.

Damit verändert sich auch die Bedeutung wirtschaftlicher Souveränität. Ein Staat kann Milliarden in Digitalisierung und künstliche Intelligenz investieren. Wenn die physische Infrastruktur nicht mithält, wachsen Abhängigkeiten von ausländischen Rechenzentren, Energieimporten und technologischen Dienstleistern.

Die Frage der Energieversorgung wird damit unmittelbar zur Frage industrieller Wettbewerbsfähigkeit und strategischer Handlungsfähigkeit.

Für Deutschland bedeutet das, dass Energiepolitik wieder konsequent mit Industrie-, Technologie- und Sicherheitspolitik zusammengedacht werden muss. Entscheidend sind die tatsächlichen Kosten und die jederzeitige Verfügbarkeit von Strom, einschließlich der notwendigen Netze und Reservekapazitäten.

Denn über die geopolitische Stärke einer Volkswirtschaft entscheidet am Ende auch, ob sie ihre eigene industrielle und digitale Infrastruktur aus eigener Kraft zuverlässig betreiben kann.

Und genau hier wird sich zeigen, welchen Platz Deutschland in der nächsten technologischen Weltordnung einnehmen kann.

#geopolitik@global_affairs_byelena

Elena Fritz